Wissenschaftliche Begleitung

Modellprojekt „Bildungshaus 3 – 10“

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Allgemeines

Wie viele Einrichtungen sind am Projekt „Bildungshaus 3 – 10“ beteiligt?
Als Modelleinrichtungen mit wissenschaftlicher Begleitung sind 32 Standorte mit ihren Einzeleinrichtungen beteiligt. Ein Standort besteht immer aus einer Grundschule und ihren Kooperationskindergärten. Dabei sind sowohl kleine Standorte mit einer Schule und einem Kindergarten im pädagogischen Verbund als auch große Standorte mit einer Grundschule und bis zu fünf kooperierenden Kindergärten.
Seit 2010 kamen 163 „neue Bildungshäuser“ zu den bereits bestehenden hinzu. Diese Bildungshäuser nehmen nicht an der wissenschaftlichen Begleitung teil.
Für die wissenschaftliche Studie arbeiten wir außerdem mit Vergleichseinrichtungen zusammen. Es handelt sich hierbei um Einrichtungen mit einer sehr guten pädagogischen Qualität in ihrer Arbeit, die aber nicht so intensiv miteinander kooperieren.
Eine Übersicht über die Modell- bzw. Vergleichsstandorte, die an der wissenschaftlichen Studie beteiligt sind, finden Sie hier.

Die Kindertageseinrichtungen liegen in der Hand von unterschiedlichen Trägern. Findet sich die Vielfalt der Träger auch in den Bildungshäusern?
Bei der Auswahl der Modelleinrichtungen wurde vom Kultusministerium besonders darauf geachtet, sowohl die Trägervielfalt als auch die Trägerstruktur in Baden-Württemberg abzubilden. Wir haben im Modellprojekt Kindergärten in kommunaler, kirchlicher und freier Trägerschaft.

Inwiefern unterscheiden sich die Angebote in einem Bildungshaus von einer intensiven Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule?
Das Bildungshaus steigert diese Kooperation, indem es die Arbeit der Lehrkräfte und ErzieherInnen nicht nur auf der Ebene des Austauschs über Kinder, sondern auch auf der Ebene der konkreten Arbeit mit Kindern verzahnt. Im Bildungshaus treffen sich Kinder aus Kindergarten und Grundschule regelmäßig in jahrgangsgemischten, institutionsübergreifenden Angeboten, die von Lehrkräften und ErzieherInnen gemeinsam vorbereitet, durchgeführt und reflektiert werden. Hierbei beschränkt sich die Zusammenarbeit nicht nur auf Kinder, die sich in der Übergangsphase zwischen Kindergarten und Grundschule befinden. Manche Bildungshäuser beziehen Kinder ab dem ersten Kindergartenjahr und Schüler bis in die vierten Klassen in die Bildungshausangebote ein.

Das Bildungshaus erfordert eine gemeinsame pädagogische Grundlage von Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, die bisher traditionell von eigenständigen Bildungsaufträgen ausgegangen sind und sich höchstens in Fragen des Übergangs annäherten. Wie meistern die Bildungshäuser diese schwierige Aufgabe?
Mit dem Bildungsplan für die Grundschulen von 2004 und dem Orientierungsplan für die Kindergärten von 2006 gibt es eine gute konzeptionelle Grundlage für die gemeinsame Arbeit im Bildungshaus. Beide Bildungsaufträge greifen ineinander und bauen auf einer Pädagogik auf, die vom Kind, von seiner Entwicklung und seinen Interessen ausgeht. Trotzdem erfordert die gemeinsame Arbeit im Bildungshaus eine intensive Auseinandersetzung sowohl mit dem eigenen pädagogischen Konzept als auch mit den pädagogischen Vorstellungen der anderen Einrichtung oder Bildungsinstitution. Die Entwicklung gemeinsamer Arbeitsformen muss dabei als Prozess gesehen werden, denn die Erstellung einer gemeinsamen pädagogischen Basis braucht Zeit. Die Zusammenarbeit im Bildungshaus ist ein kontinuierlicher Prozess, der sich im alltäglichen Miteinander entwickelt und nicht ohne Diskussion unterschiedlicher Standpunkte „auskommt“.
Derartige Fragen treten sicherlich in allen pädagogischen Einrichtungen auf, die die Qualität ihrer pädagogischen Arbeit reflektieren und kritisch hinterfragen. Der Unterschied zum Bildungshaus zeigt sich vor allem in der Themenvielfalt der pädagogischen Diskussionen (spezifische Kindergarten- und Schulthemen kommen zusammen), in der Altersspanne der Kinder zwischen 3 und 10 Jahren und in der unterschiedlichen Haltung und Sichtweise der pädagogischen Fachkräfte.
In unserer Begleitung versuchen wir, gerade diese Reibungspunkte zu reflektieren und deutlich zu machen, dass es hier wirklich um essenzielle pädagogische Grundfragen geht, die im Bildungshausteam diskutiert werden müssen.

Ist es realistisch, dass dreijährige und zehnjährige Kinder gemeinsam Bildungsangebote/Lernarrangements wahrnehmen können?
Das Modellprojekt „Bildungshaus 3 – 10“ zielt nicht darauf ab, dass alle Kinder im Alter zwischen 3 und 10 kontinuierlich zusammen kommen. Vielmehr geht es darum, Lern- und Spielarrangements zu schaffen, aus denen Kinder unabhängig vom Alter je nach Interesse und Bedürfnis wählen und an denen sie teilnehmen können. Diese Arrangements sollen sich an eine möglichst breite Kindergruppe richten, also Anreize sowohl für jüngere als auch für ältere Kinder bieten. Solche Arrangements müssen differenziert gestaltet sein, damit alle Kinder hier ihre Herausforderungen finden. Während Kinder im letzten Kindergartenjahr und in den ersten beiden Schulklassen häufig gemeinsam an denselben Aufgaben arbeiten und sich so beim Lernen gegenseitig helfen, ändert sich die Kooperation, wenn der Altersunterschied größer ist. So übernehmen Dritt- und Viertklässler oft zunehmend eine Mentorenrolle, unterstützen jüngere Kinder und organisieren gemeinsame Aktivitäten. Das heißt, je älter die Kinder sind, umso stärker tritt der reine Wissenserwerb in den Bildungshausangeboten zurück und umso stärker werden übergreifende Fähigkeiten (sogenannte „Schlüsselqualifikationen“) gefördert, die das Kind neben dem reinen Fachwissen benötigt, um in seiner weiteren (Schul-) Laufbahn und darüber hinaus erfolgreich sein zu können.

Besteht die Gefahr, dass durch die Bildungshäuser sehr früh schulische Anforderungen in die Kindertageseinrichtungen hineingetragen werden?
Wenn das passieren würde, hätten die Bildungshäuser ihr Ziel verfehlt. Auf keinen Fall geht es im Bildungshaus darum, Kinder schneller schulfähig werden zu lassen bzw. die Inhalte der ersten Klasse in den Kindergarten zu übertragen. Die Eigenständigkeit der Institutionen soll weder inhaltlich noch auf der Ebene der Verwaltung aufgelöst werden. Jede der beiden Einrichtungen hat ihre eigenen Aufgaben, die sich aus den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder und dem unterschiedlichen gesellschaftlichen Auftrag ergeben.
Wir nehmen wahr, dass das Interesse an schulischen Themen wie Lesen, Schreiben oder Rechnen vielmehr von den Kindern selbst in den Kindergarten getragen wird. Kinder zeigen lange vor der Einschulung Interesse für sprachliche, naturwissenschaftliche und mathematische Themen und es ist gut, wenn sie dann auf ein Umfeld treffen, das ihre Interessen aufgreift und nicht suggeriert: „Du musst warten, bis du größer bist!“

Ebenso besteht die Befürchtung, dass die Schule „verkindergartet“ wird und das Leistungsniveau absinkt.
Und auch hier ist es wie bei der Frage nach der Verschulung der Kindergärten: eine „Verkindergartung“ der Schule wird durch das Modell Bildungshaus nicht angestrebt. Ziel des Bildungshauses ist nicht, von Leistungsanforderungen abzurücken und eine „Kuschelpädagogik“ zu praktizieren, die Kindern kaum etwas abverlangt. Pädagogisches Prinzip ist es, Kinder sowohl zu fördern als auch zu fordern, also herauszufordern. Dass Kinder bei ihrem Tun Spaß empfinden und mit Freude bei der Sache sind, heißt nicht automatisch, dass es auf Kosten des Niveaus geht. Wir erleben, dass Kinder mit mehr Freiräumen eine gute Mischung von „Spannung“ und „Entspannung“ am Tag erleben und ihre Zeiten, die sie mit Buchstaben, Zahlen, also den Kulturtechniken verbringen, sehr intensiv nutzen. Die pädagogischen Fachkräfte aus bestehenden Institutionen melden zurück, dass die Kinder sich auf einem hohen Niveau der Leistung bewegen, was Rechnen, Schreiben und Lesen angeht, und gleichzeitig während der intensiven Zusammenarbeit auch noch viele andere Kompetenzen entwickeln. Das Leistungsniveau wird genau beobachtet und dokumentiert. Aus jetziger Sicht gibt es keinen Grund für die Befürchtung eines Leistungsabfalls durch die Bildungshausaktivitäten.

Ist das „gemeinsame Dach“, also die räumliche Nähe, eine notwendige Voraussetzung für ein Bildungshaus?
Gemeinsame Räumlichkeiten erleichtern vieles. Es gibt weniger Laufwege für die Kinder, es ist einfacher, die Kinder zu beaufsichtigen und ihre Sicherheit zu gewährleisten, das Wechseln zwischen den Einrichtungen ist auch bei schlechter Witterung problemlos möglich. Im Projekt gibt es sowohl Modellstandorte unter einem Dach, viele liegen aber weiter auseinander. Trotz größerer Entfernung gibt es aber gute Möglichkeiten, das Bildungshaus zu gestalten. Die fehlende räumliche Nähe ist vielleicht eine organisatorische Herausforderung, aber keine unüberwindbare Hürde und kein konzeptionelles Problem.

Immer mehr Kindertageseinrichtungen nehmen auch Kinder unter drei Jahren auf. Sind diese Kinder im „Bildungshaus 3 – 10“ ausgeschlossen?
Unter den Modelleinrichtungen sind sehr viele, die Kinder unter 3 Jahren aufnehmen. Viele dieser Kinder haben Bedürfnisse, die sich von den älteren Kindern unterscheiden: ein großes Bedürfnis nach einer einzigen Bezugsperson, nach körperlicher Nähe, nach mehr Ruhe und Übersichtlichkeit in ihrem Umfeld. Kinder in diesem Alter erklären sich die Phänomene unserer Welt meistens auf eine symbolhafte, häufig „märchenhafte“ Weise. (Zum Beispiel werden Sonne, Mond und Wolken als lebendige Wesen betrachtet, weil sie sich über den Himmel bewegen.) Auch für diese Kinder muss im Bildungshaus ein entsprechendes Umfeld mit einer ausgewogenen Mischung von Angeboten und Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden.
Nach und nach können diese Kinder dann im Bildungshaus ankommen und in die Vielfalt der Angebote eintauchen. Je nach Entwicklungsgeschwindigkeit beginnen Kinder irgendwann zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr vermehrt nach Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen zu suchen und allgemeingültige Regeln zu verstehen (Zum Beispiel: Wenn Frühling ist, blühen nicht nur die Tulpen vor unserem Haus, sondern alle Tulpen). Dennoch bleiben sie in ihrem Denken und Verständnis auf die Wahrnehmung – etwa auf anschauliche Beispiele – angewiesen. Damit erlangen sie ein Verständnis für die Welt und deren Zusammenhänge, wie es sich auch bei Grundschulkindern findet.

Der Begriff Bildungshaus suggeriert, dass in diesem gemeinsamen Haus a l l e Kinder, also auch behinderte Kinder, willkommen sind. Gibt es unter den Modelleinrichtungen solche mit einem inklusiven Ansatz?
Es gibt sie und wir sind gespannt, wie sich die Konzepte speziell in diesen Einrichtungsverbünden entwickeln werden. Ziel ist es, das einzelne Kind mit seinen besonderen Bedürfnissen und individuellen Interessen im Blick zu haben und bestmöglich zu fördern. Und das gilt für alle Kinder.

Schulen wie Kindergärten entwickeln sich immer mehr zu Ganztageseinrichtungen. Spiegeln die Bildungshäuser diese Entwicklung wider?
Die Frage nach der Entwicklung von Ganztagseinrichtungen lässt sich nur für den einzelnen Modellstandort beantworten, da neben der Bildungshausarbeit viele andere Faktoren bei der Entscheidung für oder gegen eine Ganztageseinrichtung eine Rolle spielen. Eine längere Lern- und Spielzeit am Tag hat für die Arbeit in Werkstätten und Projekten sicherlich viele Vorteile und erweitert den zeitlichen Spielraum bei der Planung von Bildungshausarrangements. Andererseits bieten die Halbtagseinrichtungen unter den Bildungshäusern ein ebenso vielfältiges und intensives Angebot an Bildungshausaktivitäten. Die Schaffung von Ganztagseinrichtungen wird durch das Modellprojekt Bildungshaus nicht direkt befördert, wäre aber sehr gut vereinbar mit Ganztagesangeboten.

Wie sieht es mit dem notwendigen Fortbildungsangebot aus?
Die Beratung und Betreuung der Modelleinrichtungen wird individuell zwischen der zuständigen MitarbeiterIn im ZNL und dem jeweiligen Standort abgesprochen. D.h., wenn es einen Bedarf an fachlichem Input gibt, wird er im Idealfall möglichst zeitnah angeboten.
Natürlich gibt es auch gemeinsame Fortbildungen für alle Modelleinrichtungen, die eine gute Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch bieten. Diese Fortbildungen werden vom Kultusministerium Baden-Württemberg organisiert.

Besteht die Chance einer Aufwertung der ErzieherInnenarbeit oder die Gefahr der Abwertung der Grundschullehrkräfte, wenn zwei Professionen mit unterschiedlichem Status dieselben Aufgaben erledigen?
Viele Personen, die sich zum ersten Mal mit dem Thema Bildungshaus auseinandersetzen, haben zunächst die Vorstellung, dass die Lehrkräfte in den Kindergarten kommen und den ErzieherInnen erklären, wie man Kinder richtig bildet. Natürlich profitieren ErzieherInnen vom Fachwissen der Lehrkräfte, z.B. über die Entwicklung des Schriftspracherwerbs. Andererseits erleben wir aber auch, dass die ErzieherInnen mit einem vielfältigen Erfahrungsschatz zu Altersmischung, Individualisierung, Projektarbeit, Beobachtung und Dokumentation ins Projekt einsteigen und LehrerInnen dadurch von ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Kindergarten profitieren.

Wissenschaftliche Begleitung

Welche Aufgaben hat das ZNL Ulm in der Wissenschaftlichen Begleitung zum „Bildungshaus 3 – 10“?
Das ZNL Ulm hat am 1. September 2008 die wissenschaftliche Begleitung zum Landesmodell „Bildungshaus 3 – 10“ übernommen. Ihre Aufgabe besteht darin, nachzuweisen, auf welche Bereiche sich das Bildungshaus auswirkt und welche Effekte diese enge Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule auf die Qualität der Einrichtungen, auf Lehrkräfte und ErzieherInnen, auf die Eltern und nicht zuletzt auf die Entwicklung der Kinder haben wird.
Eine wichtige Aufgabe war es vor allem in der ersten Projektphase (2008-2012), die Modellstandorte in ihrer Entwicklung vor Ort zu unterstützen. Dies geschah vor allem durch die regelmäßige Anwesenheit der wissenschaftlichen MitarbeiterInnen in den Modelleinrichtungen vor Ort, durch die Mitgestaltung von Teamgesprächen und Fortbildungen je nach Bedarf und durch die Organisation von Hospitationen.

Wie wird die wissenschaftliche Begleitung finanziert?
Das Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union (ESF) gefördert.

Welche Erkenntnisse möchte das ZNL Ulm aus dem Projekt gewinnen?
Kindergarten und Grundschule stehen vor großen Herausforderungen. Beide Institutionen sind immer stärker gefordert durch die Heterogenität, die Unterschiedlichkeit der Kinder. Auch gleichaltrige Kinder können sich in ihrem sozialen, emotionalen und kognitiven Entwicklungsstand um bis zu zwei Jahre unterscheiden. Mit dieser Unterschiedlichkeit müssen Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen umgehen. Gleichzeitig weiß man heute immer mehr über das Lernen, vor allem im Kindesalter – Lernen ist vor allem eine individuelle Konstruktionsleistung; d.h. Kinder lernen vorwiegend durch Nachahmen, Ausprobieren, Entdecken, Tun. Die Eigenaktivität und Selbststeuerung des Kindes sollte bei dem Einrichten von Lernräumen mitgedacht werden. Außerdem profitieren Kinder sehr vom gemeinsamen Miteinander, vom miteinander Lernen und Spielen.
Wir denken, dass sich die Herausforderungen durch die Zusammenführung der Kompetenzen, die im Kindergarten und in der Grundschule vorhanden sind, besser bewältigen lassen. Das ZNL verbindet mit diesem Modellprojekt das Ziel, mit den Modelleinrichtungen zusammen neue Wege zu beschreiten, um jedem einzelnen Kind eine individuelle, bruchlose Bildungsbiografie zu ermöglichen.

Welche Erwartungen gibt es aus psychologischer bzw. neurowissenschaftlicher Sicht an das Projekt?
Die stärkere Berücksichtigung der Heterogenität einerseits und die größere Eigenaktivität des Kindes andererseits sollten sich aus neurowissenschaftlicher Sicht positiv auf die emotionale, soziale und kognitive Entwicklung der Kinder auswirken. Aus der Entwicklungspsychologie ist bekannt, dass das Lebensalter von Kindern in der Regel nicht ihrem Entwicklungsalter entspricht. Die Angebote im Bildungshaus bieten den Kindern aufgrund ihrer Passung für unterschiedliche Altersgruppen die Möglichkeit, sich entsprechend ihrem Entwicklungsstand neuen Aufgaben und Lernangeboten zu stellen. Daher können die Lernprozesse während der Bildungshausaktivitäten bei Kindern aller Altersstufen individuell unterstützt werden. Das vermindert eine Unter- oder Überforderung der Kinder durch Lernangebote und Anforderungen, die zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht sehr positiv wären, aber nicht zum momentanen Entwicklungsstand des Kindes passen.

Mit welchen Schwierigkeiten muss man bei der wissenschaftlichen Begleitung eines solchen Projektes rechnen?
Die größte Herausforderung für die wissenschaftliche Begleitung ist sicherlich die Vielfalt, die sich in den Modelleinrichtungen zeigt. Es gibt kein in sich geschlossenes, genau definiertes oder starres Konzept für das „Bildungshaus 3 – 10“. Jeder Standort entwickelt innerhalb der alle verbindenden Bildungshaus-Vision ein für sich passendes Konzept für die enge Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule. Diese Vielfalt in der wissenschaftlichen Datenverarbeitung wieder zusammenzubringen, ist sicher eine große Aufgabe. Das ZNL wird diese Herausforderung bewältigen, indem auf der einen Seite dokumentiert wird, wie sich der einzelne Standort entwickelt, und auf der anderen Seite mit Vergleichseinrichtungen gearbeitet wird. Diese Vergleichseinrichtungen sind Kindergärten und Schulen, die eine gute pädagogische Arbeit leisten, aber nicht so eng miteinander kooperieren. Durch die kontinuierliche Dokumentation der Entwicklungsprozesse und den Vergleich mit oben genannten Einrichtungen können wir besondere positive Effekte und evtl. auch negative Effekte im „Bildungshaus 3 – 10“ zwischen den Modell- und Vergleichsstandorten darstellen.

Datenschutz/Datenerhebung

Gibt es ein Datenschutzkonzept?
Der Datenschutz erfolgt in enger Absprache mit dem Datenschutzbeauftragten des Kultusministeriums Baden-Württemberg. Im Datenschutzkonzept wurde genau festgelegt, wie und wann welche Daten von wem erhoben, gespeichert und verwaltet werden. Alle Daten, die im Rahmen der Studie erhoben werden, erhalten statt des Namens eine ID-Nummer und werden so pseudonymisiert. Zusätzlich zum Datenschutzkonzept gibt es auch ein Votum der Ethikkommission der Universität Ulm.

Welche Daten werden im Kindergarten erhoben?
1. Untersuchung: Grundlagen für das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen
Durch den Kontakt zu Schulkindern können Kindergartenkinder im Bildungshaus vieles lernen. Wir untersuchen etwa ein halbes Jahr vor Schulbeginn, ob die Kinder durch das Bildungshaus besser auf das Rechnen, Lesen und Schreiben vorbereitet sind. Für diese Untersuchungen gibt es gut erprobte, kindgerechte Instrumente, getrennt für Mathematik und den sprachlichen Bereich, die etwa eine halbe Stunde dauern.
2. Untersuchung: Übergreifende Fähigkeiten
Außer schulfachbezogenem Vorwissen benötigen Kinder soziale und emotionale Fähigkeiten, um in der Schule gut starten zu können. Dazu gehören unter anderem Kontaktfähigkeit, die Fähigkeit Rücksicht zu nehmen und sich in eine Gruppe einzuordnen. Aber auch die Fähigkeit, eigene Interessen zu vertreten und sich zu behaupten, ist hier gemeint. Ebenso erleichtern Neugier und Ausdauer das Lernen. Diese Fähigkeiten erfassen wir mit Hilfe eines Fragebogens, von den ErzieherInnen ausgefüllt, die jedes Kind kennen und in der Kindergartengruppe leicht beobachten können. Außerdem werden mit einem speziell für Kinder entwickelten Instrument deren übergreifende Fähigkeiten erhoben.

Welche Daten werden in der Schule erhoben?
1. Untersuchung: Wie erleben Kinder Schule und sich selbst als Schüler?
Die Schulkinder, die an dieser Untersuchung teilnehmen, füllen zwei Fragebögen aus. Gefragt wird

  • nach Lernfreude und Anstrengungsbereitschaft der Kinder
  • wie sie sich in der Klasse fühlen
  • ob sie sich von der Lehrerin bzw. vom Lehrer angenommen fühlen
  • wie ihre Einstellung zur Schule ist
  • ob sie das Gefühl haben, den schulischen Anforderungen gewachsen zu sein.

Diese Befragung wird in allen Grundschulklassen durchgeführt.
1. Klassen: Die Schüler und Schülerinnen werden Mitte des Schuljahres befragt, um festzustellen, wie gut der Übergang vom Kindergarten zur Grundschule gelungen ist. Jedes Jahr werden Kinder aus den jeweiligen ersten Klassen befragt.
2. Klassen: Es wurden bzw. sollen Kinder der 2. Klassen befragt werden, um zu prüfen, ob sich die Einstellung zur Schule und zum Schülerdasein verändert hat.
3. Klassen: Die Kinder der 3. Klassen wurden befragt, um die Entwicklung weiter verfolgen zu können.
4. Klassen: Am Ende der Grundschulzeit möchten wir untersuchen, mit welchen Gefühlen die Schülerinnen und Schüler die Grundschule verlassen und sich auf den Weg in die weiterführende Schule machen. Wir erhoben dies erstmals im Schuljahr 2008/09 und nehmen diese Daten als Ausgangswert, um sie mit späteren Jahrgängen zu vergleichen. So können wir sehen, wie die Einstellung zur Schule und zum Lernen durch das Bildungshaus beeinflusst wird.

2. Untersuchung: Mathematisch-logische Grundlagen und Leseverständnis
Mit dieser Untersuchung sollen in der Schule erworbene Fertigkeiten mit Instrumenten erfasst werden, die jedes Jahr identisch sind, so dass gezeigt werden kann, ob und wie die Kinder auch in ihren Schulleistungen vom Bildungshaus profitieren. Die Erhebung zum Rechnen und logischen Denken dauert etwa eine Stunde und besteht aus Arbeitsblättern mit Rechenaufgaben und kleinen mathematischen Knobeleien. Die Erhebung zum Leseverständnis besteht aus zwei Instrumenten. Bei einem sollen Bilder zugehörigen Wörtern zugeordnet werden. Bei dem anderen sollen Wörter zugehörigen Bildern zugeordnet und Sätze ergänzt werden. Die Kinder amüsieren sich häufig über die verwendeten Beispiele und nehmen in der Regel mit Freude an den Erhebungen teil.
In verschiedenen Jahren werden diese Tests in den 2., 3. und 4. Klassen durchgeführt. Dabei wird geprüft, ob das Lernen im Bildungshaus den Kindern Vorteile bringt (2. Klasse) und wie sich die kognitiven Kompetenzen der Kinder entwickeln (3. Klasse).
In den 4. Klassen haben wir im Schuljahr 2008/09 auch die Leistungen zum Abschluss der Grundschule erfasst, um zu sehen, ob sich neben emotionalen und sozialen Kompetenzen auch die Kompetenzen in den zentralen schulischen Anforderungen steigern. Wieder dienen uns diese Daten als Ausgangswert für den Vergleich mit Daten aus späteren Jahrgängen.

Wer führt die Messungen mit den Kindern durch?
Daten der Kinder werden von der für den Modellstandort zuständigen MitarbeiterIn aus dem ZNL erhoben. Unterstützt wird diese MitarbeiterIn von einer studentischen Hilfskraft, die vorher im ZNL intensiv geschult wurde. Alle studentischen Hilfskräfte sind Studenten aus pädagogischen Fachbereichen.

Wer erfährt von den Ergebnissen?
Die Ergebnisse der Studie zum Bildungshaus werden sowohl in praxisrelevanten als auch in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Schulen und Kindergärten, die am Projekt beteiligt sind, erhalten Rückmeldung in anonymisierter Form

  • zur Qualitätsfeststellung
  • zur Befragung der pädagogischen Fachkräfte
  • über die Befragung der Eltern zur Zufriedenheit mit der Institution
  • zu agglomerierten Ergebnissen der Kinderhebungen.